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Gastkommentar: Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren! – Gastbeiträge – Meinung – Handelsblatt

Januar 30, 2012 in Abgelehnt, Die Welt, Öffentlichkeit, Politik von SeveQ

Gastkommentar: Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren! – Gastbeiträge – Meinung – Handelsblatt.

Eigentlich möchte ich solchen Vögeln wie Ihnen ja keine Plattform bieten, aber das höre man sich mal an. Mit was für einem Selbstverständnis und welch einer Arroganz Sie hier argumentieren, das Geistige Eigentum sei eine Errungenschaft für die kleinen Leute, die 1789 die Französische Revolution vom Zaun gebrochen haben.

Ja, werter Herr Heveling, das mag damals vielleicht so gewesen sein. Aber die Revolutionäre damals hatten sicher nicht im Sinn, dass dereinst GEMA und Plattenlabels dieses Geistige Eigentum mit einer Macht verteidigen, die der der Vasallen damaliger Tage in nichts nachsteht und die “Verbrecher” wider dieses Geistigen Eigentums behandeln, wie damals die Adeligen und Geistlichen, indem sie ihnen die Hände (den Internetzugang) abschlagen oder sie gleich ganz enthaupten (existenziell in Grund und Boden abmahnen).

Die Idee des Geistigen Eigentums war einstmals Motor für Innovation und Kultur, das mag sein, auch wenn ich anderes gehört habe. Aber ein System, in dem selbst die Schaffung eines nur einem anderen Werk ähnlichen Werkes eine Verletzung des geistigen Eigentums darstellt, ein System, das die Nutzung von Kultur zur Erzeugung weiterer Kultur verbietet und sie unter Strafen stellt, die drakonischer sind als jene für Mörder und Kinderschänder (5 Jahre für den Download eines Michael Jackson Albums ist ein Jahr mehr als sein Leibarzt gekriegt hat; die Kinderschänder der Kirche laufen immer noch frei herum) ist nicht schützenswert. Es ist arrogant und ungerecht und es tötet die Kultur.  Das System, das ursprünglich Motor für Innovation und Kultur sein sollte, hat sich eher zu einer Bremse entwickelt. Wie sonst erklären Sie sich, dass es nicht möglich ist, einen einheitlichen, freien Video-Codec für alle zu entwickeln, ohne von Patentanwälten ins Nirvana geklagt zu werden? Wie sonst erklärern Sie sich, dass Unternehmen wie Apple ihre Marktmacht dazu verwenden können, unliebsame Wettbewerber einfach vom Fenster weg zu klagen? Das ist kein Motor für Verbesserung, das lässt nur träge werden. Statt technischer Innovation fördert es juristische Innovationen und finanziert Winkeladvokaten ihren feinen Lebensstil. Der Bürger, der nichts weiter will als Kultur genießen, der bleibt dabei auf der Strecke.

Also mit welchem verdammten Recht nehmen Sie sich heraus, die fetöteten Kämpfer für die Freiheit der damaligen Zeit zu instrumentalisieren und für die feuchten Träume Ihrer Lobbyistenfreunde einzuspannen?

Sie behaupten, Geschichtsbewusstsein zu besitzen. Dann frage ich Sie, Herr Heveling, wie sieht die Geschichte des Geistigen Eigentums aus? Und wie sieht seine Gegenwart aus? Was ist es noch, das so schützenswert ist an einem Recht, das es großen Unternehmen ermöglicht, ohne Eingriff durch eine Staatsgewalt die Pressefreiheit und die freiheitliche Meinungsäußerung zu beschneiden? Was ist schützenswertes an einem Recht, das es möglich macht, dass sogar unbescholtene Bürger ohne Verhandlung finanziell in den Ruin getrieben werden, obwohl sie nichts getan haben als sich vielleicht einen Song anzuhören, also am kulturellen Leben teilnehmen zu wollen? Vielleicht noch nicht einmal das, denn es treibt ein Geschwür sein Unwesen, genannt Abmahnwahn, das mit zweifelbehafteten “Beweisen” Bürger, die selbst der einfachsten Logik nach überhaupt nichts getan haben KÖNNEN, die dem gesunden Menschenverstand nach auch nie die Intention dazu gehabt haben könnten (eine alte Dame, die sich einen Song von Bushido herunterlädt; eine alleinstehende Mutter zweier erwachsener Söhne, die sich angeblich einen Porno heruntergeladen haben soll; keine von ihnen weiß überhaupt, wie man Filesharing betreibt), in den Untergang, in die Verzweiflung treibt.

Die Bürgerliche Gesellschaft, von der Sie sprechen, hat nicht das geringste mit der Gesellschaft zu tun, in der wir heute leben. Die heutige Gesellschaft besteht nur noch aus Korruption, Lobbyismus und blinden, selbstherrlichen Oligarchen wie Ihnen und Ihren Parteivorsitzenden. Und Sie Gutmensch besitzen die abgrundtiefe Frechheit, uns vorzuwerfen, wir zerstörten Kultur und Gesellschaft. Sie rufen UNS auf, Ihre kruden Ideen einer bürgerlichen Gesellschaft zu verteidigen, die WIR nicht wollen und die niemals das war, was sich die Kämpfer der Französischen Revolution erträumt hatten.

Sie sollten selbst mal Ihr Hirn einschalten und darüber nachdenken, wieso es Musiker gibt, die ihre Musik frei und ohne etwas dafür bekommen zu wollen im Internet veröffentlichen, warum es Programmierer gibt, die freiwillig den Code ihrer Software veröffentlichen, unter Open Source, kostenfrei. Denken Sie einmal darüber nach, wieso Creative Commons als Lizenzmodell überhaupt erfolgreich ist!

Kultur wird auch ohne Vergütung geschaffen, und ich verwette meinen Arsch, dass wir ohne ein derart strenges Urheberrecht und derart unübersichtliche Auflagen und Lizenzmodelle, wie wir sie heute schon haben und wie sie sich Ihr Lobbyistenvolk noch erträumt, einen wahren Sommer der Kultur erleben würden, in dem geschaffen und geschaffen würde, weil niemand mehr Angst vor Klagen und Abmahnungen haben müsste. Und es würden sich endlich wieder jene durchsetzen, die wirklich gut sind – nicht jene, denen nur die größtmögliche Plattform gegeben wird, um sie auszunehmen wie eine Weihnachtsgans und sie danach fallen zu lassen wie eine heiße Kartoffel. Das wäre das Ende von Castingshows, die nichts weiter als Eintagsfliegen hervorbringen, die hernach vielleicht noch im Dschungelcamp aufterten oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, nachdem sie vom Plattenlabel ordentlich gemolken wurden.

Hach, das wäre ein Segen.

Lassen Sie mich am Ende Ihren letzten Absatz aufgreifen (nur ein wenig verändert):

Wir dürfen die Gestaltung der Zukunft nicht jenen überlassen, die sich als Retter des Schaffens verstehen und meinen, sie wüssten, was die beste Kultur für die Masse Mensch vor den Maschinen sei. Lobbyisten sind jedenfalls dabei der schlechteste Ratgeber. Sie achten die Existenz des anderen nicht, setzen ihre Macht nur für den eigenen Vorteil ein, sind darauf bedacht, zusammenzuraffen, was sie von anderen kriegen können. Und offensichtlich sind Narzissmuss und Lobbyismus Zwillinge. Natürlich soll niemandem verboten werden, via Bittstellerei seine feuchten Träume zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben. Jetzt haben wir noch Zeit, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Wir brauchen den Citoyen, dem Werte wie Freiheit, Demokratie und Kultur auch im Netz am Herzen liegen.

Herr Heveling, tut mir Leid, dass ich das so sagen muss. Sie und Ihr erzkonservativer Lobbyistengarten kotzen mich an!

Just my two cents…

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Doppelmoral

Januar 31, 2010 in Kurzkommentare, Politik, Sicherheit von SeveQ

Ach toll! Bezüglich gefährdeter Steuerhinterzieher (aus den eigenen Reihen?) muss man auf einmal die Rechtsstaatlichkeit wahren, aber wenn’s um die Mitwirkung bei Foltergefängnissen und (Schau-)Prozessen gegen mutmaßliche Terroristen geht, kann man schon mal ‘n Auge zudrücken oder was?!

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Schere weiter geöffnet

Januar 14, 2010 in Buchempfehlung, Die Welt, Kurzkommentare, Öffentlichkeit, Politik von SeveQ

Berlin schafft die dreigliedrige Schulform ab. Neben dem Gymnasium gibt es fortan nur noch die Sekundarschulen. Ein guter Schritt? Ich fürchte nicht. Was wird nun geschehen? Es ist doch nun eine ganze Bildungsschicht quasi über. Die muss irgendwo hin. Die vorher nach Leistung auf drei Schulen aufgeteilten Schüler werden nun in zwei Schulen gepfercht. Das reißt doch das Bildungsgefälle zwischen den beiden verbliebenen Schulformen noch weiter auseinander. Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass die Lehrerschaft entsprechend angepasst wird, was wohl zwangsläufig zu qualitativ schlechterem Unterricht an den Sekundarschulen führen dürfte.

Aber das ist jawohl alles gewollt. Ein dummes Volk ist konsumgeil, obrigkeitshörig und glaubt den ganzen Mist, der ihm täglich unter die Nase gerieben wird, ohne ihn zu hinterfragen. Der Rest fügt sich aufgrund seines Minderheitendaseins dann in sein Schicksal. Und so öffnet sich die Armutsschere immer weiter.

 

Ich möchte übrigens in diesem Zusammenhang ein Buch empfehlen. Es ist das traurigste Buch, das ich bisher gelesen habe (hab’s noch nicht durch, lese noch), denn es bildet sehr gut die Realität ab. Es sagt nicht unbedingt viel neues, doch fasst der Autor sehr gut zusammen, was viele eh schon lange wissen, allerdings noch viel zu leise kritisieren. Es ist ein Buch, das Probleme aufzeigt. Gesellschaftliche Probleme, die zumindest gewaltfrei, vielleicht sogar mit Gewalt, unlösbar erscheinen, denn sie scheinen in der Natur unserer Welt und unserer Spezies begründet zu sein. Es zeigt, dass wir, entgegen unserem technologischen Fortschritt gesellschaftlich noch immer im Mittelalter verweilen und sogar Teile unserer Gesellschaft, die diesem entkommen zu sein schienen, nun wieder aktiv in diese Richtung zurück entwickeln:

  • Bildung
    • Berlin (im Buch konkret nicht erwähnt, aber das Thema Bildung allgemein wird beleuchtet)
  • Rechtsstaatlichkeit
    • Zumwinkel, Ackermann
  • Demokratie
    • Wahlen und Koalitionen
    • Minderheitenregierungen
    • negatives Stimmgewicht
  • Gedankenfreiheit
    • Irland, Blasphemie = Straftat (wurde im Buch bisher nicht erwähnt, ist vielleicht zu neu; oder es kommt noch)
  • Aufstiegschancen
    • Quasi-Kastensystem
    • wer in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, hat kaum noch Möglichkeiten, diesen zu entfliehen
    • Vollzeitarbeit am Existenzminimum

Themen, Probleme, die unter anderem (wie gesagt, bin noch nicht durch) direkt oder indirekt in diesem Buch aufbereitet und dargelegt werden, weshalb ich es jetzt schon jedem zu lesen empfehlen möchte. Meine heutige Buchempfehlung daher:

Thomas Wieczorek – Die verblödete Republik
ISBN-13: 978-3426780985

Droemer/Knaur Verlag

8,95 Euro

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So funktioniert Politik

Juli 20, 2009 in Kurzkommentare, Öffentlichkeit, Politik von SeveQ

WELT ONLINE: Nehmen sie das Phänomen der Piratenpartei ernst – oder ist das eine Spaßveranstaltung?

Zypries: Selbstverständlich nehme ich das ernst. Aber auf einer irrationalen Ebene lässt sich nur schwer diskutieren. Anders als es die Piratenpartei glauben machen will, haben wir ja nicht mit dem Gesetz gegen die Verbreitung von Kinderpornografie den Teufel aus der Flasche gelassen. Deren Vertreter realisieren überhaupt nicht, dass ohne Gesetz die von Frau von der Leyen mit den Providern geschlossenen Verträge zur Anwendung gekommen wären – mit viel weniger rechtsstaatlichen Sicherungen für die Internet-User. Viele Anhänger der Piraten wollen auch keine Debatte führen, sondern sagen nur: Das ist übel, was ihr macht, wir reden nicht mehr mit euch. So funktioniert Demokratie aber nicht.

Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article4149913/Brigitte-Zypries-Der-Dreck-muss-aus-dem-Netz.html

 

Um etwas bestimmtes ganz (1x ganz) böses zu erreichen, machen wir einfach etwas, was viele Leute ganz ganz furchtbar (2x ganz + furchtbar) böse finden, rudern dann nach wochenlangen massiven Protesten ein wenig zurück und sagen hinterher: “Wenn wir nicht die ganz böse Sache gemacht hätten, dann wäre die ganz ganz furchtbar böse Sache geblieben!” – also gebt euch mit dem zufrieden, was ihr kriegt, haltet den Mund und schaltet brav wieder Bauer sucht Frau ein. Das ist viel wichtiger als eure Grundrechte. Die braucht ihr vorm Fernseher doch eh nicht.

Ja, liebe Leute, so funktioniert Politik.

Sie haben schon Recht, Frau Zypries. Auf einer irrationalen Ebene lässt sich nicht diskutieren. Aber wer betreibt denn die irrationale Ebene? Das sind sicher nicht die Piraten, denn gebetsmühlenartig ihre widerlegten Argumente herunterbeten, als hätte nie jemand etwas dagegen gesagt, das tun nur Sie und Ihr Koalitionspartner. Da bleibt einer gegnerischen Partei gar nichts anderes übrig, als weiter ebenso gebetsmühlenartig die Gegenargumente zu formulieren, nur um irgendwann die Diskussion einfach mit einem freundlichen “Ach leck mich doch” auf eine andere Ebene zu heben. Ja, zu heben, denn tiefer sinken als auf Ihr Niveau kann man nicht.

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Herr Münkler (Humboldt-Uni zu Berlin)

Juni 17, 2009 in ...die die Welt nicht braucht, Öffentlichkeit, Politik, Web von SeveQ

Da ich im Internet keinen Geschäften legaler noch illegaler Art nachgehe, bleibt für mich als Gegner von Sperren jeglicher Art Ihrer Meinung nach also nur noch Anarchist oder Kommunist über.

Herr Münkler, selbst ich als Nicht-Politik-Professor weiß sehr wohl, dass Kommunismus und Anarchie in der Theorie zwar gute Ansätze haben mögen und wunderbar funktionieren, in der Realität aber schon mehrfach bewiesen haben, dass sie mit der Natur des Menschen nicht vereinbar sind und am Menschen scheitern, für den sie eigentlich gut sein sollten. Ich propagiere also weder Anarchie noch Kommunismus, da mir sehr wohl bewusst ist, wohin sie führen.

Wenn Sie sich auch nur ein winzig kleines Bisschen mit der Materie, über die sie in der Frankfurter Rundschau referieren, auseinander gesetzt hätten, dann wäre Ihnen bewusst, dass wir Gegner nicht gegen Rechtsprechung im Web sind. Wir fordern kein rechtsfreies Internet. Wir fordern im Gegenteil eine intensive und effiziente Verfolgung von Verbrechern im und um das Web. Wir lehnen lediglich Wischi-Waschi-Symbolpolitik ab, die nichts bewirkt, außer Bürgerrechte einzuschränken.

Aber Ihresgleichen zeigt sich seit einigen Monaten so beratungsresistent, stur und merkbefreit, dass ich mir diese Zeilen eigentlich hätte sparen können. Ich spreche quasi mit einer Wand aus Hohlblockbeton. Aber es hilft zumindest, etwas Frust über den Bullshit abzulassen, den Sie und Ihre Artgenossen in Ihrer grenzenlosen Inkompetenz verzapfen.

Daher zitiere ich in diesem Zusammenhang einmal mehr den Kabarettisten Dieter Nuhr:

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.

Danke. Liebe Güte…

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