Eigentlich wollten wir uns gestern einen schönen Männer-Kinoabend machen. Sneak-Preview, also auch scheiß egal, was für ein Film läuft, hauptsache Kino. Und NUR Kino.
Ich bin ja schon lange nicht mehr so begeistert vom Cinemaxx, gehe lieber ins Cinestar Bremen (Kristallpalast). Der Boden im Cinestar klebt nicht, die Sitze sind zumeist sauber, der Ton ist nicht ganz so laut, wie im Cinemaxx (was soll das? Ich bin nicht taub! Kino-Feeling hin oder her)… alles in allem find ich das Cinestar besser, als das Cinemaxx. Was mich aber nicht davon abhalten sollte, das Cinemaxx Hamburg-Dammtor gestern mal wieder zu versuchen. Vielleicht hat sich ja was getan.
Ja… es hat sich was getan. Das kann ich euch sagen! Allerdings dachte ich nicht, daß es noch weiter in die Niveaulosigkeit absacken kann, als ohnehin schon. Aber von Anfang an:
19:15 – Wir kamen da also im Kino an, einige Minuten zu früh, macht aber nix, muss man halt warten. Wir warteten. 20:15 sollte die Vorstellung losgehen. Also gut ‘ne Stunde zu früh… schön, dachten wir uns, setzen wir uns halt in die Cocktailbar. Tja, Pustekuchen. Die Cocktailbar war wegen einer Veranstaltung des TK Anbieters ‘Alice’ (Hansenet) geschlossen. Wir setzten uns dann irgendwo in die Ecke und warteten. Ohne Cocktails.
20:00 – wir begaben uns dann mal so langsam in Richtung Kino 3, wo die Sneak Preview gezeigt werden sollte. Wir dachten uns, hey, langsam muss da ja mal Einlass sein. Eine kleine Menschenansammlung hatte sich da schon gebildet vor dem Kino. Und eine komische Absperrung, ein Tresen, ein Mischpult, ein DJ, viel Lichteffekte und derbe laute Drecksdisko-Musik. Das ging einem schon nach 2 Minuten auf den Sack. Gut, 20:02 Uhr, der Film sollte ja in ein paar Minuten anfangen. So lange werden wir das wohl ertragen.
20:15 – immer noch kein Einlass. Die Menschenansammlung wird immer größer, die Musik immer nerviger, die Gesichter immer ärgerlicher.
20:30 – Einlass? Nein. Die Absperrung wird zwar geöffnet, alle strömen in Richtung Kino-Tür. Die bleibt allerdings geschlossen. Stattdessen verteilt irgendwie so’ne komische Tussi ‘ne merkwürdige Cola, ‘n ekeliges Bier und noch irgendein Gesöff… Wir fühlten uns wie auf einer Kaffee-Fahrt. Es fehlten nur die Rheuma-Decken. Und wirklich nervige Disko-Musik. Niemand sagt uns mal, wann’s endlich losgeht.
20:45 – Wow! Einlass! Endlich den Film schauen. Der Fußboden klebt, die Sitze sind dreckig, die restlichen Kinobesucher wohl zum größten Teil mit einem höheren Blutalkohol als IQ gesegnet… Fehlt nur noch ein Film wie Knut Der Eisbär (oder wie auch immer dieser Mist heißt) und der Abend wäre endgültig gelaufen.
20:50 – Irgendwas quitscht da in meinen Ohren… hat da einer die Türscharniere nicht geölt? Moment, das klingt wie Wörter. Da steht da unten ein Weib mit einem Mikrofon in der Hand und einer Stimme, für die sie einen Waffenschein bräuchte und entschuldigt sich für die lange Wartezeit – auch im Namen der Sponsoren XYZ-Cola, Bier-Gesöff und Blah Blubb. Dafür sollte es dann auch vorm Film keine Werbung mehr geben. Danke!
Dann können wir ja jetzt endlich anfangen… Nicht? NICHT! Nein, vorher müssen erst noch Freikarten für’s Kino unter die Leute gebracht werden – anders kriegen die wohl keine Besucher mehr ran. Also heißt es, wer am lautesten die Antwort auf eine Frage durch den Kino-Saal brüllen kann, kriegt 2 Freikarten. Und ihr dürft mal raten, was die Frage war! “Welche 3. Staffel läuft jetzt demnächst im Fernsehen an, also von welcher Sendung?”… Keine Ahnung, wirklich nicht. Interessiert mich auch nicht die Bohne. Scheiß Fernsehdreck. Warum geh ich denn ins Kino? Damit ich genau DIESEN Mist nicht ertragen muss. Danke! Und was war’s nun? “Germany’s Next Topmodel” – was auch sonst?! Super! Wayne interessiert’s? Mich nicht, ich will verdammt nochmal den Film sehen.
Leider hatte die junge Dern nicht nur 2 Freikarten auf der Hand. Die nächste Frage war nun, wer diese Schwuchtel diesen warmen Bruder Bruce Darnell kennt. Ich WILL den gar nicht kennen! Ich frage mich manchmal wirklich, ob’s für’s Fernsehen nur noch Quoten-Homos gibt. Noch dazu ist es eine schwarze Schwuchtel ein dunkelhäutiger Homosexueller. Nicht daß ich was gegen Farbige hätte, aber diese Knalltüte… naja… wie dem auch sei. “Wer kennt Bruce Darnell?” – oh, wie sie alle hier schreien. Ist den Leuten wohl peinlich. Naja, einigen ist die Freikarte dann doch mehr wert, als der eigene Ruf, melden sich doch tatsächlich zwei Typen aus den Reihen vor uns. Um nun an die Freikarten zu kommen reichte es aber nicht, Bruce bloß zu kennen. Nein, sie sollten ihn auch noch immitieren! Das war zum Glück nicht schwer. Ein dämlicher Spruch über die Gang-Art eines Models unter Alkoholeinfluss in durch die Nase gesprochenem Halb-Deutsch, schon stand der Sieger fest. Danke!
Nun endlich den Film… Nein? Nein! Noch zwei Karten wollten unter die Leute. Mich kotzte die Sache nun schon seit geraumer Zeit wirklich so richtig an. Ich wollt halt nur noch wissen, was für ein Film kommt. Sonst wäre ich schon längst gegangen. Meine Neugier obsiegte dort also auch über meinen Drang, dieser Peinlichkeit zu entrinnen. Nun, die zwei Karten sollte halt auch noch jemand bekommen, damit in der nächsten Woche überhaupt irgendwer ins Cinemaxx geht. Also nächste Aufgabe: es sollten sich zwei finden, die an einem Schokoriegel-Wettessen teilnehmen. Zwei Mädels meldeten sich dann freiwillig. Es gab Snickers. Und was tut man nicht alles für ein paar Kino-Karten? Man frisst sogar Snickers in sich herein, wenn man ihn überhaupt nicht mag (Mädel Nr. 2). So bekamen dann beide Mädels jeweils zwei Freikarten. Die eine für ihren Sieg und die andere, weil sie “so tapfer” war…
So nun aber endlich den Film! Nein? Nein! Wir müssen ja noch alle Popcorn kriegen. Erinnert mich so ein bisschen an den Film “Gladiator”, wo dem jubelnden Mob Brotlaibe zugeworfen wurden. Wir sind der Mob. Das Fußvolk. Wir wollen unterhalten werden… ich kann nicht umhin, mich davon auszuschließen. Ich gehöre diesem Mob nicht an. Ich will diesem geifernden Getümmel nicht einen einzigen Moment angehören. Das ist nicht mein Niveau. Aber nun saßen wir da und mussten diesen Verdummungsmist über uns ergehen lassen, denn wir wollten wissen, was für ein Film kommt. Wir wollten den Abend noch nicht gänzlich aufgeben. Er hätte es wahrlich verdient gehabt.
21:00 – Mit satten 45 Minuten Verspätung fing nun endlich die Vorstellung an, wegen der wir dort waren. Mit einem Hörsturz, bis zum Zerreißen angespannten Nerven und kochendem Blut saßen wir dort und harrten der Dinge die da noch kommen mochten. Bitte nicht Knut! Alles, nur nicht Knut! Danke! Nicht Knut. “Im Tal von Elah” lief. Ein dokumentarisches Drama über einen Mordfall in den USA im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg, der wohl die gesamte Tragweite des Krieges in seiner Wirkung auf die dort stationierten Soldaten und ihre in der Heimat verbliebenen Verwandten zeigt. Sehr bedrückend, da er auf einer wahren Begebenheit beruht. Guter Film! Die ersten paar Minuten bekamen wir allerdings nur das Bild zu sehen, weil das restliche Publikum von der soeben beendeten show-künstlerischen Darbietung noch so hin und weg war, daß die Party von draußen auch drinnen weiter ging. Irgendwann war das Geknister und Gesabbel dann mal durch, als die Leute merkten, hey, da läuft ja ein Film. Und dann… gegen 21:05 – mit beinahe einer ganzen Stunde Verspätung – konnten wir endlich (mit kurzen Unterbrechungen durch irgendwelche Vollpfosten) in den Film eintauchen.
Fazit: Ey, isch schwör! NIE WIEDER CINEMAXX!
Eigentlich wollten wir uns gestern einen schönen Männer-Kinoabend machen. Sneak-Preview, also auch scheiß egal, was für ein Film läuft, hauptsache Kino. Und NUR Kino.
Ich bin ja schon lange nicht mehr so begeistert vom Cinemaxx, gehe lieber ins Cinestar Bremen (Kristallpalast). Der Boden im Cinestar klebt nicht, die Sitze sind zumeist sauber, der Ton ist ...